Kalaidos University of Applied Sciences Switzerland

Reglement zum Schutz vor Mobbing, Diskriminierung und sexueller Belästigung an der Kalaidos Fachhochschule



Genehmigt durch den Fachhochschulrat am 11. November 2021



Version: 2.1

Ausgabe: 01.02.2022


I. Allgemeines

Art. 1

Dieses Reglement hat zum Zweck, die Studierenden, Dozierenden und Mitarbeitenden der Kalaidos Fachhochschule vor Mobbing, Diskriminierung jeglicher Art, sexueller Belästigung, sexistischem Verhalten und damit in ihrer Persönlichkeit, Würde und Integrität zu schützen.


Art. 2

Dieses Reglement legt Zuständigkeiten und Verfahren bei Verstössen fest.

II. Geltungsbereich

Art. 3

Dieses Reglement bezieht sich ausdrücklich auf Mobbing und Diskriminierungen in den Räumlichkeiten und/oder im unmittelbaren Zusammenhang mit Studiengängen, Lehr- und Prüfungsleistungen sowie Dienstleistungen der Kalaidos Fachhochschule. Es gilt auch in ausserschulischen Situationen, wenn ein Zusammenhang mit Studiengängen, Lehr- und Prüfungsleistungen sowie Dienstleistungen der Kalaidos Fachhochschule besteht.


Art. 4

Dieses Reglement gilt für alle Studierenden, Dozierenden und Mitarbeitenden der Kalaidos Fachhochschule. Dazu zählen Schulleitung, administrative >und technische Mitarbeitende, wissenschaftliche und pädagogische Mitarbeitende, Studierende und alle an Veranstaltungen der Kalaidos Fachhochschule beteiligten Personen.

III. Verbot

Art. 5

Die Kalaidos Fachhochschule duldet keinerlei Mobbing, Diskriminierung, sexuelle Belästigung oder sexistisches Verhalten. Verstösse gegen dieses Reglement ziehen Massnahmen wie unter Ziff. 8 beschrieben nach sich.

IV. Nachteilsverbot

Art. 6

Aus abweisendem und abgrenzendem Verhalten, der Inanspruchnahme von Beratung und Unterstützung oder dem Beantragen einer Untersuchung dürfen der betroffenen Person und allfälligen Zeuginnen und Zeugen keine Nachteile in Studium und Beruf erwachsen.

V. Definition

Art. 7 Mobbing

Unter Mobbing wird systematisches, feindliches und über längere Zeit hinweg wiederholtes Verhalten verstanden, mit dem eine Person schikaniert, bedrängt, entwertet und/oder ausgegrenzt werden soll.


Art. 8 Diskriminierung

Als Diskriminierung gelten jede Äusserung und jedes Verhalten, das darauf abzielt, eine Person insbesondere aufgrund ihres Geschlechts, Alters, Herkunft, Religion, körperlichen oder psychischen Eigenschaften, Weltanschauung oder sexuellen Orientierung ohne sachlichen Grund zu benachteiligen, ungleich zu behandeln oder in ihrem Wert herabzusetzen.


Art. 9 Sexuelle Belästigung

Als sexuelle Belästigung gilt ein nicht erwünschtes Verhalten mit sexuellem Bezug. Darunter fallen insbesondere anzügliche Bemerkungen, sexistische Sprüche und Witze, unerwünschte Einladungen mit eindeutiger Absicht, scheinbar zufällige Körperkontakte, Zeigen und Verbreiten von pornografischem Material, sexuelle Annäherungsversuche, die mit dem Versprechen von Vorteilen verbunden sind. Erpressen oder Erzwingen sexueller Beziehungen, körperliche Übergriffe, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung sind Tatbestände des Strafgesetzbuches. Interne Massnahmen und Sanktionen bleiben vorbehalten.

VI. Informelles Verfahren

Art. 10

An der Kalaidos Fachhochschule stehen eine weibliche und eine männliche Vertrauensperson zur Verfügung. Sie werden vom Fachhochschulrat auf Antrag der Hochschulkonferenz ernannt und alle drei Jahre durch den Fachhochschulrat bestätigt bzw. neu gewählt. Es gibt keine Amtszeitbeschränkung. Die Fachstelle für Chancengleichheit, Diversität und Inklusion hat ein Vorschlagsrecht. Die Vertrauenspersonen sind Anlaufstelle für die betroffenen Personen und unterstützen sie mit dem Ziel, die Diskriminierung oder sexuelle Belästigung umgehend zu unterbinden.


Art. 11

Zu den Aufgaben der Vertrauenspersonen gehören:

  • ▪ die betroffene Person anzuhören
  • ▪ sie über die möglichen Schritte zu informieren und bei der Wahl des Vorgehens zu begleiten
  • ▪ sie auf Wunsch zu Gesprächen oder Verhandlungen zu begleiten oder dabei zu vertreten
  • ▪ an Informations- und Präventionsmassnahmen gegen Diskriminierung und sexuelle Belästigung in den Departementen mitzuwirken
  • ▪ die eigene Tätigkeit in anonymisierter Form zu dokumentieren

Art. 12

Die betroffene Person kann auf Wunsch den zuständigen Vorgesetzten oder die zuständige Vorgesetzte der beschuldigten Person oder das HR über die Diskriminierung oder sexuelle Belästigung informieren, wenn sie möchte unter Beisein der Vertrauensperson.

VII. Formelles Verfahren

Art. 13

Die betroffene Person oder in ihrem Auftrag die Vertrauensperson kann beim Rektor oder der Rektorin, beim HR oder bei einem Mitglied des Fachhochschulrats der Kalaidos Fachhochschule eine Untersuchung beantragen.


Art. 14

Der Rektor oder d>ie Rektorin, das HR oder ein Mitglied des Fachhochschulrats der Kalaidos Fachhochschule leitet das Untersuchungsverfahren. Er oder sie kann dafür aussenstehende Fachpersonen beiziehen. Die untersuchenden Personen hören die beteiligten Personen an, wenn von der betroffenen Person konsultiert auch die Vertrauensperson, und führen alle weiteren notwendigen Abklärungen zur Ermittlung der Sachlage durch. Aufgrund der Ergebnisse des Untersuchungsverfahrens kann der Rektor oder die Rektorin, das HR oder das Mitglied des Fachhochschulrats der Kalaidos Fachhochschule Massnahmen gemäss Ziff. 8 anordnen.


Art. 15

Die betroffene Person und die beschuldigte Person haben im Verfahren das Recht

  • ▪ bei Befragungen eine Begleitperson mitzunehmen
  • ▪ zu Aussagen der Gegenpartei und anderer Beteiligter Stellung zu nehmen
  • ▪ auf Einsicht und Stellungnahme zu den Akten

Art. 16

Der Rektor oder die Rektorin, das HR oder das Mitglied des Fachhochschulrats der Kalaidos Fachhochschule teilt den Beteiligten das Ergebnis der Untersuchung und allenfalls ergriffene Massnahmen schriftlich mit. Es kann ein strafrechtliches Verfahren eingeleitet werden.

VIII. Massnahmen

Art. 17

Aufgrund der Untersuchungsergebnisse kann der Rektor oder die Rektorin, das HR oder das Mitglied des Fachhochschulrats der Kalaidos Fachhochschule Massnahmen ergreifen. Je nach Schwere des Vergehens können insbesondere die folgenden Massnahmen getroffen werden:

  • ▪ Schriftliche Mahnung
  • ▪ Schriftlicher Verweis und Kündigungsandrohung
  • ▪ Versetzung oder Entlassung bei Mitarbeitenden
  • ▪ Entzug der Akkreditierung bei Dozierenden des Departements Musik
  • ▪ Vorübergehende oder endgültige Exmatrikulation bei Studierenden

IX. Schweigepflicht

Art. 18

Vertrauenspersonen, Vorgesetzte und sämtliche mit der Untersuchung betrauten Personen unterstehen der Schweigepflicht.

X. Beschreiten des Rechtsweges

Art. 19

In allen Fällen steht es der betroffenen Person frei, den Rechtsweg zu beschreiten, indem sie zivil- oder strafrechtlich gegen die beschuldigte Person vorgeht. Nach einer Anzeige kann das Verfahren an der Kalaidos Fachhochschule bis Abschluss des Gerichtsverfahrens sistiert werden, dazwischen sind vorsorgliche Massnahmen möglich.

XI. Kosten

Art. 20

Für die Beratung und das Untersuchungsverfahren entstehen den involvierten Personen keine Kosten.

XII. Missbräuchliche Anschuldigungen

Art. 21

Angehörige der Kalaidos Fachhochschule, die andere wider besseres Wissen eines Mobbingvorfalls, einer Diskriminierung oder sexuellen Belästigung beschuldigen, können rechtlich belangt werden. Interne Massnahmen und Sanktionen gemäss Ziff. 8 bleiben vorbehalten.

XIII. Inkrafttreten

Art. 22

Dieses Reglement tritt auf den 01.01.2022 in Kraft und löst das Reglement über den Schutz Diskriminierung und sexueller Belästigung an der Kalaidos Fachhochschule vom 20.02.2012 ab.



Für den Fachhochschulrat
der Kalaidos Fachhochschule Schweiz

sign

Dr. Stefan Spycher, Präsident